Lorenz Lotmar:

Inventar des Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv



Inventar erstellt von Dimitris Depountis in Zusammenarbeit mit Wolfram Groddeck, März 2001








Schweizerisches Literaturarchiv

Hallwylstrasse 15
CH-3003 Bern


E-Mailadresse: arch.lit@nb.admin.ch



Findmittel codiert von Rudolf Probst Mai 2008


Übersicht

Autor/Urheber : Lotmar, Lorenz (1945-1980)
Titel : Nachlass
Eckdaten der Dokumente : 1895-1989
Zusammenfassung : Manu- und Typoskripte, Briefe, Tagebuch, Pressedokumentation
Umfang : 20 Archivschachteln
Signatur : SLA-Lotm

Lorenz Lotmar (1945-1980)

Biographie

Lorenz Lotmar, geboren am 7.6.1945 in Aarau, Sohn eines Physikers, 1961 mit Familie nach Bern umgezogen, abgebrochene kaufm. Lehre, Schauspielerausbildung, besucht auch Psychologie- und Philosophievorlesungen, beginnt ca. um 1964 zu schreiben. Lebt ab 1972 in Zürich, später an verschiedenen Orten in Deutschland, zuletzt in München. Lotmar verdient seinen Lebensunterhalt als Schlagzeuger in Unterhaltungsorchestern, ab 1975 konzentriert er sich vollständig aufs Schreiben, scheitert aber mit seinen Publikationsbemühungen (s.u.) weitgehend, wird v.a. von einer Tante finanziell unterstützt. Arbeitet als Schriftsteller isoliert und diszipliniert bis obsessiv (in Arbeitsmontur in verdunkeltem Raum). Ende Juni 1980 nimmt sich der 35-jährige Lotmar in München das Leben, in einer Zeit, als sich die Möglichkeit der Etablierung als Schriftsteller abzuzeichnen beginnt.

Umfang und Inhalt der Dokumente

Der Nachlass von Lorenz Lotmar enthält in weitgehender Vollständigkeit die literarischen Manuskripte des Autors (ca. 10000 Seiten), neben den publizierten Texten liegen u.a. zwei Hörspiele und ein Theaterstück, verschiedene Erzählungen und Gedichte vor. Die Briefsammlung ist relativ klein, sie enthält u.a. einzelne Briefe von Siegfried Unseld, Max Lüthi und Werner Weber sowie zahlreiche Briefe von Lotmars Freund und Erben Hartmut Gürtler. An Lebensdokumenten liegen u.a. ein Tagebuch und verschiedene Memorabilien (Brille, Tabakpfeifensammlung) vor. Eine umfassende Dokumentation zu den Publikationsbemühungen Hartmut Gürtlers nach Lotmars Tod, mit Rezensionen und Kritiken rundet den Nachlass ab.

Das Werk

Gedichte, Hörspiele, Theaterstücke, Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane. Im Mittelpunkt seiner schriftstellerischen Arbeit steht das Grossprojekt des (trotz zahlreichen Umarbeitungen Fragment gebliebenen) Romans Die Opferung, dessen Wurzeln ins Jahr 1968 zurückreichen (Schneestadt, Hotel). Lotmars Werke stellen isolierte Individuen dar, deren Beziehungslosigkeit in der präzisen Darstellung ihrer Reflexionen und Tätigkeiten wie in grotesken Dialogen Ausdruck finden. In der minutiösen Protokollierung einer stilisierten banalen Alltagskonversation entsteht eine z.T. komisch wirkende Verfremdung, die zusammen mit der vor allem in der Opferung dargestellten totalitären Verfügung der Gesellschaft und des Staates über das Individuum zu Vergleichen mit Kafka oder Beckett Anlass gegeben hat. Gegen Ende seines Lebens arbeitet Lotmar zunehmend in Richtung auf eine sprachliche Stilisierung als Spiegel der in der Opferung dargestellten totalitären Welt.

Publikationsgeschichte

Lorenz Lotmar bemüht sich in den gut 10 Jahren seiner schrifstellerischen Haupttätigkeit weitgehend vergeblich um die Publikation seiner Texte. Ein Teilabdruck einer Erzählung in der NZZ-Literaturbeilage (24.12.1972) ist lange die einzige Veröffentlichung. Aufgrund des Kontakts mit dem Suhrkamp-Verlag (zuerst Siegfried Unseld persönlich, dann die Zürcher Abteilung des Verlags, insgesamt ca. 1973-1978) hat Lotmar über Jahre nicht unberechtigte Hoffnungen auf einen Durchbruch; nach Ablehnung verschiedener Projekte durch diesen Verlag übernimmt schliesslich der Steinhausen Verlag (München) 1979 die Publikation von Bisst, einer längeren Erzählung über einen gealterten Fussballschiedsrichter, die anschliessend vom deutschen Fernsehen in der Drehbuchfassung von Günter Kunert ausgestrahlt wird. Nach Lotmars Tod übernimmt der Orte Verlag die Veröffentlichung des Werks. 1992 Inszenierung der Collage Der Mensch ist ein Fragment des Affen im Zürcher Neumarkt-Theater.


Administrative Informationen

Abkürzungen

a./and. andere
abgeschn. abgeschnitten
allgem. allgemein
Anf. Anfang
Ang. Angabe/n
Anz. Anzahl
ausgeschn. ausgeschnitten
auss. ausser
Autormark. Autormarkierung/en
beabsicht. beabsichtigt
beids. beidseitig
Beil. Beilage
beil. beiliegend
beschr. beschriftet
Bez. Bezug
bl blau
Bl. Blatt
Bst Bleistift
Dat. Datum
Druckmanus. Druckmanuskript
Durchschl. Durchschlag
eh. eigenhändig
Einh. Einheit
enth. enthält/enthalten
erg. ergänzt
ev. eventuell
fh. von fremder Hand
Forts. Fortsetzung
Fotokop. Fotokopie
fragm. fragmentarisch
Fz Filzstift
gel. gelocht
ger. gerissen
halb. halbiert
Hinw. Hinweis/e
K.st. Klebstreifenspuren
karr. karriert
Kg Kugelschreiber
konzip. konzipierte
korr. korrigiert
lin. liniert
Lit.exzerpt Literaturexzerpt
Masch Schreibmaschine
masch. maschinengeschrieben
N.St. Nadeldurchstich
nachtr. nachträglich
Oberfl. Oberfläche
phys. physische
Reinschr. Reinschrift
Rucks. Rückseite
S. Seite/n
s. siehe
Schreibutens. Schreibutensil
schw schwarz
Sign. Signatur
sonst. sonstige
St. Stempel
TdZ. Titel des Zeugen
Teilmanus. Teilmanuskript
Textabschn. Textabschnitt
u.d.T. unter dem Titel
überarb. überarbeitet
Umf. Umfang
unvollst. unvollständig
urspr. ursprünglich
Verl. Verlag
verm. vermutlich
viol violett
vollst. vollständig
Vorders. Vorderseite
Vorl. Vorlage
vorl. vorliegend
wahrsch. wahrscheinlich
Werkzusammenh. Werkzusammenhang
Zus. Zusätze
zus. zusätzlich
? möglicherweise
ähnlich
= entspricht
<< umgekehrte Reihenfolge


Zugang

Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.


Geschichte des Nachlasses

1998 übernimmt das Schweizerische Literaturarchiv den Nachlass.

Bevorzugte Zitierweise:

Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Lorenz Lotmar.

Hinweise zur Erschliessung

Das vorliegende Inventar ist teilweise aus den ursprünglichen Katalog über verschiedene Zwischenschritte erstellt worden. Der ursprüngliche Katalog zu den Werkmanuskripten bestand aus drei von Dimitris Depountis mit dem HyperCard-Programm (für Apple Macintosh) erstellten Computerdateien, in die er die wichtigsten Informationen zu Lorenz Lotmars nachgelassenen Manuskripten aufgenommen hat. Die Dateien wurden bei der Übernahme des Nachlasses von Lorenz Lotmar durch das Schweizerische Literaturarchiv zuerst in Microsoft Access-Dateien umgewandelt, die später in EAD konvertiert worden sind. Entsprechend wurden kleine Modifikationen in der Einleitung vorgenommen. Miteinander verbunden und online benützt, ermöglichen diese drei Dateien mannigfaltige Einblicke in Entstehungszusammenhänge von Lotmars Werk. So lassen sich beispielsweise einzelne Notizblöcke oder ursprüngliche Papierstapel, die der Autor benutzte und deren Blätter über den ganzen Nachlass verstreut sind, wieder rekonstruieren, lässt sich Lotmars Produktion zu bestimmten Zeitabschnitten kompakt abrufen, lassen sich thematisch miteinander verwandte, im Nachlass jedoch örtlich voneinander entfernte Niederschriften zusammen anzeigen etc. (Ulrich Weber/SLA/April 2003)

Inhaltsverzeichnis

A Werke
A-1 Physische Einheiten
A-2 Nachlass: Werkmanuskripte
A-2-N Notizen
A-2-Ak Aktuelles
A-2-An Angefangenes
A-2-G Gedichte
A-2-SCHU Der Schuldige
A-2-UNST Die Unsterblichen
A-2-AUSS Aussicht auf gestern
A-2-SONN Irgendwie einen Sonntag hinter sich bringen
A-2-BISS Bisst
A-2-OPFE Die Opferung
A-2-HAND Der Handlinienmann
A-3 Verzeichnis der Papierarten
B Briefe
C Lebensdokumente
D Sammlungen
E Erweiterter Nachlass