Otto Nebel:

Inventar des Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv



Inventar erstellt von Angelika Hugger, ergänzt von Andreas Mauz und komplettiert von Bettina Braun, Januar 2005








Schweizerisches Literaturarchiv

Hallwylstrasse 15
CH-3003 Bern


E-Mailadresse: arch.lit@nb.admin.ch



Findmittel codiert von Rudolf Probst Juni 2005 und Magnus Wieland Juni bis September 2011


Übersicht

Autor/Urheber : Nebel, Otto (1892/1973)
Titel : Nachlass
Eckdaten der Dokumente : 1918/ca. 2000
Zusammenfassung : Tagebücher, Werkverzeichnisse, Manuskripte, theoretische Schriften, Briefe
Umfang : 4 Laufmeter
Signatur : SLA-Nebel

Otto Nebel (1892-1973)
Foto: Peter Friedli

Biographische Notiz

Im Kriegsgefangenenlager Colsterdale schrieb Otto Nebel 1918/19 Zuginsfeld. Der zu diesem Zeitpunkt 26-Jährige kam 1892 in Berlin zur Welt. Bevor er Soldat wurde, hatte er nach einer Ausbildung zum Bauingenieur an der Lessing-Bühne Schauspiel studiert. Die Manuskripte seines Langgedichts, das unter Bezugnahme auf Grimmelshausens seltzamen Springinsfeld den Krieg als Wahnsinn geisselt, trug Nebel in seinen Schuhen versteckt nach Hause und debütierte damit 1920 in der expressionistischen Zeitschrift Der Sturm. Mit regelmässigen Veröffentlichungen, Lesungen und Beiträgen an Gruppenausstellungen bildete der Sturmkreis bis 1932 das Forum für seine schriftstellerische und malerische Arbeit. Längere Zeit hielt er sich am Bauhaus Weimar auf und knüpfte Freundschaften zu Klee, Kandinsky und Georg Muche. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten emigrierte Nebel mit seiner Frau in die Schweiz und liess sich im Herbst 1933 in Bern nieder, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1973 lebte.

Beschreibung des Archivs und der wichtigsten Dokumente

Mit dem Ethos eines Archivars sicherte Nebel, der sich unter anderem „mit bezahlter Zettelordnerei“ seine Existenz als Künstler finanzierte, das Fortleben seines Werks. Die akribisch geführten Verzeichnisse in seinem Nachlass geben Aufschluss sowohl über das Vorhandene als auch die Verluste. Bei den Bombardierungen Berlins 1944 wurde der Grossteil des bildnerischen Werks vor 1933 zerstört. 1946 verzeichnete er ausserdem die Vernichtung fast der gesamten, sehr umfangreichen Briefschaften, Lebensdokumente und Fotografien. Nebels Archiv macht auf diese Weise den Schnitt offenbar, den die Emigration für Biographie und Werk darstellt. Die Bedingungen im Berner Exil waren sehr schwierig. Wie anderen Autoren wurde Nebel die Erwerbserlaubnis verweigert, die Aufenthaltsgenehmigung über Jahre hinweg immer nur um weitere drei Monate verlängert. Von 1933 bis 1948 konnte er nichts veröffentlichen und hielt sich dank der Unterstützung der Guggenheim Foundation und eines zeitweilig einberufenen „Otto-Nebel-Kreises“ über Wasser. Die Anfeindungen, denen Nebel als deutscher Flüchtling in jener Zeit ausgesetzt war, deuten sich in Kurt Schwitters Prosaminiatur Nebel in Bern an. Schwitters beschreibt, wie er 1935 seinen Freund auffand, ohne dessen genaue Anschrift zu kennen: aufgrund eines Hakenkreuzes an der Wand des Wohnhauses am Weissenbühlweg. Während der 40 Jahre, die Nebel in Bern verbrachte, war er denn auch in keinerlei literarischen Betrieb eingebunden. Seine Briefe von Autoren aus der Schweiz lassen sich an einer Hand abzählen. Als noch zu seinen Lebzeiten die Dokumentation zur Flüchtlingspolitik Das Boot ist voll (1967) erschien, annotierte er: „Neidgenossen“. Die Isolation und die Ungewissheit der Zukunft schlugen sich in den 30er- und 40er-Jahren in einem Komplex von theoretischen und autobiographischen Schriften nieder. Das grosse Erinnerungsbuch Herkunft und Bestimmung wurde nach dem Verlust der Urkunden wieder aufgenommen. Der verbliebene Rest an Lebensdokumenten heftete Nebel an die Erstfassung, in der der Schreibende noch den Anspruch äussert, ausschliesslich zu schildern, was durch schriftliche Quellen belegt werden kann. Unausgeführt blieb hingegen die Geschichte einer Einsamkeit, die mit den Worten beginnen sollte: „Seit er gehen konnte, ging er in sich“. Der Weg nach innen bezeugt auch die zunehmende Beschäftigung mit christlichen und fernöstlichen Mystiktraditionen wie dem Zen-Buddhismus, Yoga und vor allem den Schriften Emanuel Swedenborgs, die auch in seine Texte einfliesst. 1942 trat er der Vereinigung „Die Neue Kirche“ bei. Der Nachlass bietet nicht nur Anschauungsmaterial für z.T. entlegene Interessen, er gibt auch Einblick in den Schreibprozess, der im Wesentlichen von der Idee eines innersprachlichen Übersetzens getragen ist. Es ist das Medium Sprache in seiner Materialität, das den Schaffensprozess lenkt und zu seinem Inhalt wird. Angestrebt wird ein quasi autorloser Text. In seinen Hauptwerken Unfeig (1924/25, 1960) und Das Rad der Titanen (1957) versucht Nebel, darin ein Vorläufer von Oulipo und der konkreten Poesie – Pastior und die Autoren der Wiener Gruppe haben ihn rezipiert –, mittels auferlegter alphabetischer Formzwänge den Möglichkeitsspielraum der Sprache auszuloten. Der mystifizierende Begriff der dichterischen „Inspiration“ wird dabei keineswegs fallen gelassen, sondern zu einer übersinnlich-magischen Qualität modifiziert, die der poetischen Sprache und ihren materiellen Bestandteilen selbst innewohnt, als deren Mittler der Dichter fungiert. Davon ausgehend, dass über die Sprache das Denken verändert werden kann, verstand Nebel diese Sprachbehandlung auch als Waffe gegen den Ungeist der Zeit.


Administrative Informationen

Umfang

4 Laufmeter [86 Archivschachteln, 5 Schachteln Sonderformat]

Verwendete Abkürzungen

Abb. Abbildungen
Anm. Anmerkungen
Ausz. Auszeichnung
AV Verweis des Autors
Beil. Beilage
Bl. Blatt
Br. Brief
Coll. Collage
coll. collagiert
Dg. Durchschlag
Dr. Druck
DW Otto Nebel: Das dichterische Werk. 3 Bde. Radrizzani, René (Hg.). München: Edition Text und Kritik 1979 (Frühe Text der Moderne).
Einl. Einlage
Erg. Ergänzungen
FA Fremdannotation
geb. gebunden
gef. gefaltet
geh. geheftet
hs. handschriftlich
Korr. Korrekturen
Kt. Karte
m. mit
masch. maschinenschriftlich
Ms. Manuskript
ON Otto Nebel
o.T. ohne Titel
S. Seite
SCHZK Otto Nebel: Schriften zur Kunst. Radrizzani, René (Hg.). München: Mäander Verlag 1988.
s.d. undatiert
sign. signiert
s/w Schwarz-Weiss-Fotografie
Tb. Titelblatt
Ts. Typoskript
u. und
Widm. Widmung
Zs. Zeitschrift
Zsa. Zeitschriftenausschnitt
Ztg. Zeitung
Ztga. Zeitungsausschnitt


Zugang

Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.


Bevorzugte Zitierweise:

Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Otto Nebel.

Hinweise zur Erschliessung

Der Nachlass wurde von Angelika Hugger, Andreas Mauz und Bettina Braun inventarisiert.

Spezielle Bemerkungen

Otto Nebels bildnerischer Nachlass wird von der Otto Nebel-Stiftung, Bern verwaltet.

Inhaltsverzeichnis

A Werke
A-01 Wortkunst
A-01-a Zuginsfeld (1920/1921)
A-01-b Die Rüste-Wüste. Eine Keilschrift (1924)
A-01-c Unfeig (1924/1925)
A-01-d Das Rad der Titanen (1957)
A-01-d-01 Konvolut „Rad“
A-01-d-02 Das Rad der Titanen
A-01-e Sieben Trübsinnscheuchen (1965)
A-01-f Hall und der Herbst (1971)
A-01-g Sternendonner (1979)
A-01-h Gedichte (1979)
A-01-h-01 Konvolut „Gedichte“
A-01-h-02 Fassungen einzelner Gedichte auf losen Blättern
A-01-i In Italien (1979)
A-01-j Den Flammen entrissen (1979)
A-01-k Darüber hinaus!
A-01-l Wahrtraum im Wetterleuchten (1979) u.a.
A-01-m Die Baukunst dem Volke! (unveröffentlicht)
A-02 Schriften
A-02-a Schriften zur Sprache und Kunst
A-02-a-01 Geistige Kunst der Gegenwart und der Zukunft (Der kleine Bund 1947, 1948)
A-02-a-02 Aus dem Werkwissen um die Neue Kunst (1951)
A-02-a-03 Erkenntnisse aus sechzig Lebensjahren (1952)
A-02-a-04 Worte zu Bildern (1954)
A-02-a-05 Zum Kriegswerke von Otto Dix (1958)
A-02-a-06 Was ein Lebenswerk lehrt [aus Büchern und Schriften von O.N.] (1966)
A-02-a-07 Einweisendes (1967)
A-02-a-08 Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung meiner geschenkten Werke an das Berner Kunstmuseum am 25. Nov. 1971 (1971)
A-02-a-09 Sprache der Dichtung, Ur-Dichtung der Sprache (DW 1979)
A-02-a-10 Schauen und Lauschen. Eine Kunstfibel (SCHZK 1988)
A-02-a-11 Anmut und Segen der Sendung (posthum; Auszüge in: DW 1979; SCHZK 1988)
A-02-a-12 Meine Ausstellung in Paris (posthum, SCHZK 1988)
A-02-a-13 Vom Wesen und Geiste neuer Kunstmalerei (posthum, SCHZK 1988)
A-02-a-14 Neue Schwarz-Weisz-Kunst des Schnitzmessers (posthum, SCHZK 1988)
A-02-a-15 Die Zeichnung als dichterisches Geheimnis (posthum, SCHZK 1988)
A-02-a-16 Aufbau eines erprobten Lehrganges im Zeichnen und Malen (posthum, SCHZ 1988)
A-02-a-17 Aufzeichnungen zu einem Lehrgange (posthum, SCHZ 1988)
A-02-a-18 Kunstwürdige Wertungen (posthum, SCHZK 1988)
A-02-a-19 Über kunstwürdige Grossbilder einer geistigen Wandmalerei neuer Ordnung (posthum, SCHZK 1988)
A-02-a-20 Werkstattblätter (Auszüge in: SCHZK 1988)
A-02-a-21 Unbeirrbare Werkgeheimnisse zeitloser Kunst (unveröffentlicht)
A-02-a-22 Werkleben und Sinnweben (unveröffentlicht)
A-02-a-23 Werden und Wesen der Formenwelt in der geistigen Kunst (unveröffentlicht)
A-02-a-24 Starke Arznei (unveröffentlicht)
A-02-b Zu eigenen Dichtungen
A-02-b-01 Vorworte zur Neun-Fugen-Dichtung „UNFEIG“ (1924)
A-02-b-02 Geleit- und Begleiterscheinungen zur Kunst der Fuge in der Dichtung (1924)
A-02-b-03 Die Kunst der Fuge in der Dichtung (DW 1979)
A-02-b-04 Weitere Werk-Erfahrungen (DW 1979)
A-02-c Schriften in direkter Auseinandersetzung mit Emanuel von Swedenborg
A-02-c-01 Vorarbeiten
A-02-c-02 Schriften eines Christen der Neuen Kirche
A-02-c-02-a Gedanken über Schmerz und Bewusstsein (1945)
A-02-c-02-b Leidwissen und Sinnsicht (1945)
A-02-c-02-c Zur Schönheit der offenbarenden Gesichte (1945)
A-02-c-02-d Zur Erforschung des Heilswertes der himmlischen Zwölfzahl
A-02-c-02-e Inhaltsfragen kirchlicher Kunst im Lichte der Neuen Kirche (1945)
A-02-c-02-f Der Sinn des Gebetes und der Fürbitte (1946)
A-02-c-02-g Was ist geistige Gefangenschaft? (1947)
A-02-c-02-h Beitrag zur Aussprache: “Gibt es ein grundloses Gottvertrauen?“ (1948)
A-02-c-02-i Erlöstwerden durch das Göttliche (1950)
A-02-c-02-j Zeitlose Merksätze (1951)
A-02-c-02-k Emanuel Swedenborgs Lebenswerk und dessen wachsende Nutzwirkung (1954)
A-02-c-02-l Goldene Brücken (1955)
A-02-c-02-m Geborgene Schätze (1958)
A-02-c-02-n Höhenwanderung (1959)
A-02-c-02-o Leuchtfeuer (1961)
A-02-c-02-p Schilde und Waffen (1958)
A-02-c-02-q Zeitlose Merksätze (1966)
A-02-c-02-r Gewiszheit durch Wunder (1971)
A-02-c-03 Über die menschlichen Sinne und ihre wahre Bedeutung (1951)
A-02-c-04 Die Sinnwelt der Entsprechungen in den Künsten (1955)
A-02-c-05 Von der Unermesslichkeit des Schönen (posthum, DW 1979)
A-02-c-06 Geistige Weisungen (unveröffentlicht)
A-02-d Über Kunst und Künstler aus dem Sturm-Kreis
A-02-d-01 Konvolut „Ueber Kunst und Künstler“
A-02-d-02 Rudolf Blümner. Eine Würdigung (1954)
A-02-d-03 Zur Kandinsky-Austellung in Bern, 1955 (1955)
A-02-d-04 Kurt Schwitters zum Gedächtnis (1972)
A-02-d-05 Diverses
A-02-e Beiträge in Berner Tageszeitungen
A-02-e-01 Hochverrat an Europa (1951)
A-02-e-02 Abfälle in den Anlagen (1953)
A-02-e-03 Brot auf der Gasse (1953)
A-02-e-04 Vom Unsegen der unflätigen Redeweise (1954)
A-02-e-05 Über Bühnenspiele und Menschendarstellung (unveröffentlicht)
A-02-e-06 Der Unfug wahlloser Verchromerei (unveröffentlich ?)
A-03 Aphorismen und Notate
A-03-a Notizbücher
A-03-b Kästchen
A-03-c Veröffentlichte Sammlungen
A-03-c-01 Goldene Spur (1962)
A-03-c-02 Zuraunungen (1969)
A-03-d Unveröffentlichte Sammlungen
A-03-d-01 Meinerlei
A-03-d-02 Krystallinisches
A-03-d-03 Gedanken und Hinweise
A-03-d-04 In Anbetracht des Bleibenden
A-03-d-05 Abgeklärt
A-03-d-06 Dem inneren Gedächtnis anvertraut
A-03-d-07 Sinngefüge
A-03-e Diverse Aufzeichnungen
A-04 Tagebücher/Autobiographisches
A-04-a Tagebücher
A-04-b Tagebuch-Bearbeitungen
A-04-c Autobiographische Texte
A-04-c-01 Selbst-Besinnung
A-04-c-02 Herkunft und Bestimmung
A-05 Auszüge und Anhalte
A-05-a (Selbst-)Zitate, Exzerpte und Abschriften
A-05-b Übersetzungen und Übertragungen
A-05-b-01 Zen-Lehre und Nó-Spiele
A-05-b-02 The Science of Mentalphysics
A-05-b-03 Gedichte von Velimir Chlebnikov (1972)
A-05-c Kräftebilder
B Briefe
B-1 Briefe von Otto Nebel
B-2 Briefe an Otto Nebel
B-3 Briefe Dritter
B-4 Konvolute
C Lebensdokumente
D Sammlungen
D-01 Werkverzeichnisse
D-01-a Bilderverzeichnis
D-01-b Zeichnungen, Linolschnitte
D-01-c Besondere Verzeichnisse
D-01-d Das grosse Werkverzeichnis
D-02 Hilda Nebel
D-02-a Notizen u.a.
D-02-b Fotografien lose
D-02-c Alben
D-02-d Verpackung
D-03 Lesung in Wien
D-04 Ausstellung European Painters
D-05 Druckbelege, Abschriften
E Erweiterter Nachlass
E-01 Erweiterungen
E-01-a Tondokumente
E-01-b Übrige Dokumente
E-02 Schenkung der Otto Nebel-Stiftung 2010
E-02-A Werkmanuskripte
E-02-B Briefe
E-02-B-01 Briefe von Otto Nebel
E-02-B-02 Briefe an Otto Nebel
E-02-B-04 Briefkonvolute
E-02-C Lebensdokumente
E-02-C-01 Dokumente
E-02-C-02 Fotografien
E-02-C-02-a Positive
E-02-C-02-b Negative
E-02-C-03 Objekte
E-02-D Sammlungen
E-02-D-01 Druckbelege
E-02-D-01-a Drucke in Zeitungen und Zeitschriften
E-02-D-01-b Einzelausgabe
E-02-D-02 Pressedokumentation, Sekundärliteratur, Materialien zu Ausstellungen und Veröffentlichungen
E-02-D-02-a Alben „Öffentlichkeit“
E-02-D-02-b Zeitungsartikelsammlung lose
E-02-D-02-c Texte über Otto Nebel, von ihm selbst zusammengestellt
E-02-D-02-d Erwähnungen, Sekundärliteratur
E-02-D-02-e Materialien zu Ausstellungen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen
E-02-D-02-f Zeitungsartikel und Texte nicht über ihn selbst
E-02-D-03 Autorenbibliothek
E-02-D-04 Bibliothek Elsi Ammann
E-02-D-05 Diverse Verzeichnisse
E-02-D-06 Sammlung Hilda Nebel
E-02-D-06-a Grunow-Lehre
E-02-D-06-b Diverses
E-02-D-07 Audiovisuelle Dokumente