Annemarie Schwarzenbach:

Inventar ihres Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv



Inventar erstellt von Gaby Rauch, September 2006








Schweizerisches Literaturarchiv

Hallwylstrasse 15
CH-3003 Bern


E-Mailadresse: arch.lit@nb.admin.ch



Findmittel codiert von Rudolf Probst Februar 2008


Übersicht

Autor/Urheber : Schwarzenbach, Annemarie (1908-1942)
Titel : Nachlass
Eckdaten der Dokumente : 1925/1942
Zusammenfassung : Journalistische Arbeiten, Manuskripte, Briefe, Fotos
Umfang : 30 Archivschachteln, 4 Schachteln Sonderformate, 27 Fotoordner
Signatur : SLA-Schwarzenbach

Annemarie Schwarzenbach (1908-1942)

Biographie von Annemarie Schwarzenbach

Annemarie Schwarzenbach wird am 23. Mai 1908 als drittes Kind von Alfred Emil Schwarzenbach und Marie Renée Wille in Zürich geboren. Der Vater ist einer der grössten Seidenfabrikanten der Welt, die Mutter die Tochter von General Ulrich Wille. Annemarie hat einen älteren Bruder, Robert-Ulrich, eine ältere Schwester Suzanne und zwei jüngere Brüder, Hans und Alfred JR.

1912 zieht die Familie von Zürich auf das Gut Bocken bei Horgen am Zürichsee, wo Annemarie aufwächst. Sie erhält Privatunterricht bis 1923, in den Jahren 1923/24 besucht sie die Privatschule von Dr. Götz-Azzolini in Zürich und ab Herbst 1925 das Hochalpine Töchterinstitut in Fetan im Unterengadin. Dieses schliesst sie im Herbst 1927 mit der Matura ab. Zunächst studiert Annemarie zwei Semester an der Universität Zürich, unterbrochen von zwei Semestern in Paris, wo sie neben Geschichte vor allem Philosophie und Psychologie hört. Im April 1931 schliesst sie ihre Studien in Zürich mit einer Dissertation zur Geschichte des Oberengadins im Mittelalter und Neuzeit ab. Zur gleichen Zeit publiziert sie in der Schweiz ihren ersten Roman "Freunde um Bernhard".

1930 beginnt ihre enge und langjährige Freundschaft mit der Familie Mann, vor allem mit den älteren Geschwistern Erika und Klaus. Während ihrer Zeit in Berlin (Herbst 1931 bis Frühling 1933) besucht Annemarie die Familie oft in München, oder Erika und Klaus kommen nach Berlin. In Berlin nimmt sie erstmals Morphium.

Bei der Machtergreifung Hitlers Anfang 1933 ist Annemarie gerade in Berlin, wo sie ihr zweites Buch "Lyrische Novelle" publiziert. Der Aufenthalt im Deutschen Reich wird ihr später verboten (August 1934), weil sie sich an der "Sammlung", einer Emigrantenzeitschrift begründet von Klaus Mann, finanziell beteiligt hat.

Im Oktober 1933 startet sie zu ihrer ersten grossen Autoreise, die sie über die Türkei nach Syrien und den Irak führt und schliesslich nach Persien, wo sie an archäologischen Ausgrabungen teilnimmt. Ihre Erlebnisse hält sie in einem Reisetagebuch "Winter in Vorderasien" fest, das sie mit eigenen Fotos illustriert.

Im Sommer 1934 mietet sie sich ein Haus in Sils-Baselgia, das ihr ständiger Schweizer Wohnsitz wird. Im August besucht sie in Begleitung von Klaus Mann den ersten Allunionskongress der Sowjetschriftsteller in Moskau. Anschliessend fährt sie mit dem Zug in den Süden Russlands und von dort weiter nach Teheran, wo sie das Ende des Jahres 1934 wieder bei Ausgrabungen verbringt.

Nach ihrer Rückkehr Ende Dezember 1934 setzt sie sich öffentlich in einem Artikel für Erika Manns Kabarett "Die Pfeffermühle" ein, was zu Spannungen innerhalb ihrer Familie führt, die möglicherweise ihren Selbstmordversuch am 15. Januar 1935 provoziert haben.

Im Mai 1935 kehrt sie nach Persien zurück und heiratet den französischen Diplomaten Claude Clarac. Dadurch wird sie französische Staatsbürgerin und erhält einen Diplomatenpass. Den Sommer verbringt sie in einem Hochtal in der Nähe von Teheran, wo Freunde ein Zeltlager besitzen. Die Ereignisse dieses Jahres verarbeitet sie in einem Buch "Das glückliche Tal", das aber erst 1940 publiziert wird.

Krankheit und Drogenkonsum zwingen sie im Herbst zur Rückkehr in die Schweiz, wo sie im November/Dezember 1935 in der Klinik in Prangins bei Dr. Forel eine Entziehungskur macht.

Im Spätsommer 1936 begibt sich Annemarie zusammen mit einer Freundin, der Amerikanerin Barbara Hamilton-Wright, auf eine Reportagetour durch die nördlichen Industriegebiete der USA, von der sie im Februar 1937 zurückkehrt.

Im Sommer 1937 reist sie über das Deutsche Reich, Ostpreussen und die Baltischen Staaten nach Moskau, wo sie dem Schicksal des kurz zuvor tödlich verunglückten Schweizer Bergsteigers Lorenz Saladin nachspürt. Mit dem Material, das man ihr in Moskau übergibt, schreibt sie ihr erfolgreichstes Buch "Lorenz Saladin, ein Leben für die Berge".

Im September 1937 bricht sie erneut in die USA auf, wo sie in Artikeln und Fotoreportagen über die katastrophalen Verhältnisse in den Südstaaten berichtet.

Im Februar 1938 ist Annemarie Schwarzenbach zurück in der Schweiz und in Europa, wo sich inzwischen einiges verändert hatte. Im April fährt sie nach Österreich, inzwischen dem Deutschen Reich angeschlossen, und nach Prag. Danach muss sie sich mehreren Entziehungskuren in Kliniken in Samedan, Kreuzlingen und Yverdon unterziehen, wovon sie sich in Sils erholt. Dort entsteht, zusammen mit der Genfer Schriftstellerin Ella Maillart, der Plan einer weiteren Asienreise. Mit einem Ford starten sie im Mai 1939 in der Schweiz und über den Balkan, Türkei, Persien und Afghanistan gelangen sie nach Indien. Auch diese Reise wird überschattet vom Drogenproblem Annemaries, das die Beziehung der beiden Frauen stark belastet. Gegen Ende Oktober trennt sich Schwarzenbach, körperlich und psychisch sehr geschwächt, von Maillart und schliesst sich französischen Archäologen an. Im Dezember entschliesst sie sich zur Rückkehr mit dem Schiff in die Schweiz, während Ella Maillart in Indien bleibt, um dort das Ende des Weltkrieges abzuwarten.

Gegen Ende Januar 1940 trifft sie in der Schweiz ein, wo sie einige Artikel und Fotos über diese Reise publizieren kann. Im Juni 1940 kehrt sie abermals in die USA zurück, wo sie zusammen mit Margot von Opel den Sommer und einen Teil des Herbstes auf der Insel Nantucket verbringt, abseits vom Weltgeschehen. In New York lernt sie im Juni Carson McCullers kennen, die sich in sie verliebt. Auch mit den Mann-Geschwistern hat sie wieder Kontakt, aber das Verhältnis ist angespannt. Im November stirbt ihr Vater, dadurch verschlechtert sich ihr bereits angeschlagener Gesundheitszustand und nach einem weiteren Selbstmordversuch wird sie in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Unter der Bedingung, die USA sofort zu verlassen, entlässt man sie.

Im Februar 1941 kehrt sie über Lissabon in die Schweiz zurück. Auf Betreiben ihrer Mutter reist sie als Korrespondentin im April nach Lissabon und von dort weiter in den Belgisch-Kongo, wo sie einige Monate auf einer Plantage verbringt. Dort schreibt sie einen Roman "Das Wunder des Baums". Nach einem Spionageverdacht verlässt sie im März 1942 Afrika und reist über Lissabon nach Marokko, wo ihr Mann inzwischen als Konsul tätig ist.

Im Juli 1942 ist sie zurück in Sils, wo sie an ihrem Afrika-Manuskript arbeitet. Am 6. September erleidet sie in der Nähe von Sils einen schweren Fahrradunfall mit Kopfverletzungen, worauf man sie in die Klinik nach Prangins transportiert. Nach einem kurzen Aufenthalt auf Bocken bringt man sie zurück nach Sils, wo sie am 15. November 1942 an einer Lungenentzündung stirbt.

Kurze Beschreibung des Archivs

Der Nachlass besteht vor allem aus ihren journalistischen Arbeiten, den Manuskripten ihrer Romane und ca. 7000 Fotos.

Der grösste Teil der Briefe, die Annemarie Schwarzenbach erhalten hat, wurde nach ihrem Tod vernichtet. Die Briefe an Erika und Klaus Mann liegen im Original in der Stadtbibliothek München. Nachträglich dazugekauft wurde der Briefwechsel mit Albrecht von Haushofer. Der überwiegende Teil der Briefe von Annemarie Schwarzenbach (B-1) wurde dem Nachlass nachträglich hinzugeführt.

Die Rubrik Erweiterter Nachlass (E) umfasst eine Sammlung mit Presseausschnitten zu Leben und Werk der Autorin, der Sekundärliteratur und in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckte Texte Schwarzenbachs in Kopie.


Administrative Informationen

Zugang

Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.


Weitere Dokumente

Weitere Dokumente in der Graphischen Sammlung vgl. KRf 16/3, "Dichterbuch des Schweizer[ischen] Schriftstellervereins i[n] d[er] L[andes]-A[usstellung] 1939 [in Zürich]" und Fotoporträt in der Porträtsammlung.

Virtuelle Ausstellung

Am Ende aller Wege – Bildergalerie zu Annemarie Schwarzenbachs 100. Geburtstag.


Bevorzugte Zitierweise:

Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Annemarie Schwarzenbach.

Erwerbung

Geschenk von Anita Forrer, 1980

Hinweise zur Erschliessung

Das vorliegende Inventar basiert auf der Abschrift der Karteikarten des Zettelkatalogs des SLA.

Inhaltsverzeichnis

A Werkmanuskripte von Schwarzenbach, Annemarie (1908 - 1942)
A-1 Journalistische Arbeiten
A-2 Prosa
A-3 Originalartikel in Zeitungen und Zeitschriften
A-5 Fotoordner
B Briefe
B-1 Briefe von Annemarie Schwarzenbach
B-2 Briefe an Annemarie Schwarzenbach
B-3 Briefe Dritter (erweiterter Nachlass)
C Lebensdokumente
D Sammlungen
D-1 Fremdmanuskripte
E Erweiterter Nachlass
E-1 Kopien von Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften (Sonderformat)
E-1-a Allgemein
E-1-b Zu Amerika
E-1-c Zu Afghanistan
E-1-d Ella Maillart über Afghanistan
E-2 Pressedokumentation (Kopien und Belegsex.)
E-2-a Nachrufe und Erinnerungen
E-2-b Rezensionen
E-2-b-1 Rezensionen von Annemarie Schwarzenbach
E-2-b-1-AUF Auf der Schattenseite
E-2-b-1-GLU Das glückliche Tal
E-2-b-1-JEN Jenseits von New York
E-2-b-1-LYR Lyrische Novelle
E-2-b-1-TOD Tod in Persien
E-2-b-1-WIN Winter in Vorderasien
E-2-b-2 Rezensionen über Annemarie Schwarzenbach
E-2-c Diverse Artikel
E-2-d Artikel zu/von Erika und Klaus Mann
E-3 Sekundärliteratur in Büchern und Zeitschriften