Nachlass Zeno Zürcher - Archiv Junkere 37:

Inventar von Nachlass und Archiv im Schweizerischen Literaturarchiv



Inventar erstellt von Lukas Dettwiler, 2009








Schweizerisches Literaturarchiv

Hallwylstrasse 15
CH-3003 Bern


E-Mailadresse: arch.lit@nb.admin.ch



Findmittel codiert von Lukas Dettwiler Oktober 2009


Übersicht

Autor/Urheber : Zürcher, Zeno (1936 - 2008)
Titel : Inventar seines Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv
Eckdaten der Dokumente : 1958/2003
Zusammenfassung : Manuskripte, Tonbänder, Lithographien und Holzschnitte, Fotografien, Briefe, Typoskripte, Zeitungsausschnitte, Zeitschriften
Umfang : 11 Archivschachteln
Signatur : SLA-Zeno Zürcher

Eingang zum Keller Junkere 37 (Aufnahme undatiert)

Biographie von Zeno Zürcher

Zeno Zürcher wurde am 28. August 1936 in Bern geboren. Nach der Primarschule besuchte er das Seminar, ab Frühling 1952 im Internat in Hofwil (Münchenbuchsee/Kt. Bern), von 1954 das Oberseminar in der Länggasse Bern. Im selben Jahr trat er dem Kerzenkreis bei; nach dessen Spaltung war er einer der Mitbegründer und Obmann des Tägel-Leists. Er arbeitete als Lehrer im Schlössli Ins, in Habkern und auf Gumm/Oberburg. Im Herbst 1957 gründete er zur Publikation von Golowins Gedichtband Dem Morgen zu den Verlag Oberburg-Druck. 1960/61 leitete er zusammen mit Rudolf Müller die freie Schule Vallamand, wo er auch Schultheaterexperimente durchführte. 1962 heiratete er Gretel Achterath. Von 1962 an unterrichtete er als Primarlehrer im Pestalozzischulhaus in Bern. 1964 initiierte er gemeinsam mit anderen das freie Diskussions-Forum "Junkere 37", im Volksmund "Berns Hyde-Park-Corner" genannt, wo er auch selbst als Referent auftrat. Zeno Zürcher starb am 16. März 2008. Seine Urne wurde in der Schul- und Heimgemeinschaft Schlössli Ins beigesetzt, wo Zürcher in jungen Jahren als einer der beiden ersten Lehrer unterrichtet hatte.

Publikationen: Originalität und Plagiat als Wertmass. (Basel) 1963; Die sanften Wikinger. Dänemark macht Schule. Gümligen: Zytglogge 1981; Olsen, Ib Spang: Seeräuber im Schloss oder Wie wir zu unsern Nachbarn kamen. Aus dem Dänischen übersetzt von Zeno Zürcher. Gümligen: Zytglogge [1985].

Umfang und Inhalt der Dokumente

Manuskripte und Typoskripte, Tonbänder, Lithographien und Holzschnitte, Fotografien, Briefe, Zeitungsartikel, Publikationen.

Kurze Beschreibung von Nachlass und Archiv, die wichtigsten Dokumente

Der Nachlass von Zeno Zürcher besteht zur Hauptsache aus dem Archiv des Tägelleists und der "Junkere 37"-Versammlungen und Unterlagen. Zeno Zürcher war 1964 nicht nur Mitgründer der "Junkere 37" in einem Kellerlokal der Berner Altstadt, er amtete auch als dessen Veranstalter, Archivar, Verwalter, Tontechniker, Diskussionleiter. Zusammen mit Sergius Golowin, Franz Gertsch, Niklaus von Steiger war Zürcher bereits Mitbegründer von freien Diskussionskreisen in den 1950er-Jahren: Im Zirkel "Kerzenkreis" oder dem später daraus hervorgegangenen "Tägel-Leist", dessen Obmann Zürcher war. Der vom österreichischen Psychologen und Philosophen Rudolf Maria Holzapfel (1874-1930) inspirierte und anfänglich von Fritz Jean Begert geleitete "Kerzenkreis" veranstaltete in Bern von 1954 bis 1966 ca. 450 Abende, denen ab 1956 Walter Zürcher, der Bruder von Zeno Zürcher, vorstand. Tägelleist (aus Tägel, ein kleines, ölgefülltes Lampengefäss, und Leist, der Berner Begriff für eine alteingesessene Quartierorganisation) meint "eine geschlossene Gesellschaft von Freunden, die entweder einen eigenen Ort für jeden aus ihnen offen halten, oder sich wechselweise bey einem aus ihrem Mittel versammeln. Von Zeit zu Zeit sich versammelnde zwanglose Gesellschaft, auch das Gesellschaftslokal" (zitiert nach: SINWEL, Erster Bott des Tägel-Leist, Johanni 1958). Der Tägel-Leist verstand sich als "freie Vereinigung für zeitgemässe Selbstbildung", als Diskussionszirkel für und von Nonkormisten, denen die bestehenden Plattformen und Podien der (Berner) Gesellschaft zu eng waren. Hier erprobten sie nichts Geringeres als eine Neubelebung einer anderen "Volkskultur". Ab 1964 fanden die Zusammenkünfte an Junkerngasse 37 statt, weshalb sich sich der Zirkel fortan "Berner Diskussions-Podium Junkere 37" nannte. Die Diskussionsabende wurden zur Hauptsache durch monatliche Beiträge der Veranstalter selbst finanziert. Bis zu deren Auflösung (1975) fanden in der "Junkere 37" über 300 Veranstaltungen statt, die insbesondere politische und gesellschaftliche Fragen zur Sprache brachten, mit Referenten vom Pressechef des EMD bis zum "vorwärts“-Redaktor. Dabei spielte auch die Literatur eine wichtige Rolle, der Gammlerpoet und Nonkormist René E. Mueller eröffnete 1964 den ersten Junkere 37-Abend mit Rezitationen eigener Gedichte und Texte. Mit Sergius Golowin war die Volksdichtung stark vertreten, Wort, Bild, Musik (Bänkelsänger), Polit-Lyrik war nicht mehr fern, an denen auch die Bundespolizei in Form von Fichen schreibenden Mitarbeitern teilnahm. 1965 mussten sich die Veranstalter und Zeno Zürcher für den Abend mit dem aus Zürich eingeladenen W. M. Diggelmann, der zu seinem Buch Die Hinterlassenschaft Rede und Antwort stand, die Forderung der Behörden nach einem Hausierpatent für dessen Redefreiheit gefallen lassen. Am 2. Oktober 1966 referierte und diskutierte Philosophieprofessor Adorno aus Frankfurt mit dem Berner Publikum. Von diesem legendären 104. Abend existieren jedoch weder eine Einladung, Einträge im Gästebuch noch eine Tonbandaufnahme. Im Februar 1969 wurde Urban Gwerder, Dichterfürst und Hotcha!-Herausgeber, vom Berner Hippie-Papst Hans Stamm und der K.U.S.S. (Kritische Untergrundschule der Schweiz) feierlich mit dem Ehrendoktor "auf dem Gebiet der Schweizer Jugend und sämtlicher Untergrundwissenschaften“ ausgezeichnet. Viele Diskussionen und Abende sind von Zeno Zürcher auf Tonband aufgezeichnet worden. Die Aufnahmen bilden einen wichtigen Bestandteil des Archivs und liegen nun digitalisiert vor. Ein Leitwort der Junkere 37-Teilnehmer war der Satz: Na nas njema smerti: Uns ist kein Kraut gewachsen (Huzulisch). Die Erklärung steht in einem Brief der Junkere 37 an den Radiojournalisten Günther Mehren vom 18. August 1968. 1975 hat das Diskussionsforum "Junkere 37" seine Kellertore geschlossen.


Administrative Informationen

Ordnung des Nachlasses / Archivs

Das Archiv ist gegliedert nach A: Werke (Autographen, Manuskripte, hs. Textzeugen, Typoskripte), B: Briefe, C: Lebensdokumente, D: Sammlungen

Verwendete Abkürzungen

Tonband BD
Blatt Bl.
Brief Br.
Fredi Lerch fl
handschriftlich/Handschrift hs./Hs.
Junkere 37 J 37
Korrespondenz Korresp.
Karte (Post- u. Ansichtskarten) Kt.
maschinenschriftlich masch.
Manuskript Ms.
Typoskript Ts.
Zeitungsausschnitt(e) Ztga.


Zugang

Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.

Bevorzugte Zitierweise: SLA-ZZ

Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Zeno Zürcher.

Erwerbung

Kauf, 2009.

Hinweise zur Erschliessung

Der Nachlass wurde von Lukas Dettwiler inventarisiert.

Inhaltsverzeichnis

A Werke
A-01 Diverse Texte
B Briefe
B-01 Briefe von Zeno Zürcher
B-02 Briefe an Zeno Zürcher / Junkere 37
B-03 Briefe Dritter
B-04 Thematische Konvolute
B-04-a Junkere 37 - Administration / Korrespondenz
C Lebensdokumente
C-01 Fotografien
C-01-a Diapositive und Negative
D Sammlungen
D-01 Tondokumente
D-01-a Tonbänder der Junkere 37-Abende
D-01-b Tonbandgerät Philips RK 14
D-01-c Tonbandkassetten
D-02 Akten Junkere 37
D-02-a Dokumente, Rezensionen und Varia
D-02-b Einladungen
D-02-c Gästebücher
D-02-d Gemischte Unterlagen (Archiv fl)
D-02-d-1 Ordner Nonkonform
D-02-d-2 Ordner Nonkonform
D-02-d-3 Junkere 37 [Varia 1]
D-02-d-4 Junkere 37 [Varia 2]
D-03 Sinwel Hefte und Zeitschriften
D-03-a Bott-Hefte
D-03-b BOTTI -Tägel-Leist Mitteilungen
D-03-c Berner Versuche
D-03-d Diverse Zeitschriften
E Erweiterung
E-01 Schenkung Pius Müller
E-01-a Bücher
E-01-b Skizzen, Aquarelle, Reproduktionen