Hugo Marti

Inventar seines Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv



Inventar erstellt von Nora Regli, 2006








Schweizerisches Literaturarchiv

Hallwylstrasse 15
CH-3003 Bern


E-Mailadresse: arch.lit@nb.admin.ch



Findmittel codiert von Lukas Dettwiler, August 2006


Übersicht

Autor/Urheber : Marti, Hugo (1893-1937)
Titel : Inventar seines Nachlasses im Schweizerischen Literaturarchiv
Eckdaten der Dokumente : 1898/1995
Umfang : 24 Schachteln
Signatur : SLA-H.MARTI

Hugo Marti (Foto L. Zumbühl, Bern)

Zu Leben und Werk des Autors

Hugo Marti wurde am 23.12.1893 in Basel geboren. Nach dem Tod, erst der Mutter und einige Jahre später, des Vaters wuchsen Hugo Marti und seine Schwester bei der Stiefmutter Marie Marti-Rösch in Bern auf. Seine Kinder- und Jugendzeit hat Hugo Marti später in dem autobiographischen Werk Eine Kindheit (1936) festgehalten und verarbeitet. Nach einem abgebrochenen Jura-Studium, das ihn nach Berlin und Königsberg führte und Bekanntschaft mit seinen langjährigen Briefpartnerinnen Freda Hoffmann und Helle Rosenow machen liess, schloss Hugo Marti 1921 in Bern ein Philologie-Studium, Schwerpunkt Germanistik, mit der Promotion ab. Dazwischen lagen mehrere Jahre Unterbruch, die er als Hauslehrer eines Fürstenhauses in Rumänien und nach dem Kriegseintritt Rumäniens und einer abenteuerlichen Reise mit seinen Schützlingen quer durch Europa in der Nähe von Kristiania, dem heutigen Oslo, verbrachte. Dort lernte er seine spätere Frau, die Pfarrerstochter Elsa Lexow-Breck, kennen. Zurück in der Schweiz, nahm er nach Abschluss seines Studiums eine Stelle als Redaktor bei der Berner Zeitung Der Bund an und wurde bald mit der Leitung des im Brachen liegenden Feuilletons und der literarischen Beilage Der kleine Bund betraut. Nach der Heirat 1922 liessen sich Elsa Lexow-Breck und Hugo Marti in Bern nieder, wo fünf Jahre später ihr Sohn Rolf geboren wurde. Bis kurz vor seinem Tod war Hugo Marti als Redaktor des Bundes tätig und schrieb dabei eine staunenswerte hohe Zahl von Artikeln selbst, unter anderem unter dem Pseudonym Bepp eine Kolumne, die aus dem Alltag eines biederen, aber fiktiven Bundesbeamten berichtete. Nebenamtlich war er auch in zahlreichen kulturellen Organisationen und Institutionen tätig. Dennoch schaffte er es, sein schriftstellerisches Werk weiterzuverfolgen: Zwischen 1291 und 1936 publizierte er mehrere Romane, die zum Teil schon in seinen Auslandsjahren entstanden waren, einen Lyrikband, eine Auftragsbiographie und schrieb zwei Theaterstücke. Ende 1928 erkrankte Hugo Marti an Tuberkulose und musste sich in den folgenden Jahren immer wieder für längere Zeit in Sanatorien aufhalten. Von den Erfahrungen als Tuberkulose-Patient und der Welt der Sanatorien zeugt sein bekanntester Text, das Davoser Stundenbuch (1934). Am 20. April 1937 starb Hugo Marti im Alter von 43 Jahren an den Folgen einer missglückten Behandlung seiner Lungentuberkulose in Davos. Hugo Marti hat nicht nur ein zwar nicht sehr umfangreiches, aber ausgesprochen vielfältiges schriftstellerisches Werk hinterlassen, sondern er war auch für das kulturelle Leben Berns und der Schweiz in einem weiteren Sinn von Bedeutung, wie seine Korrespondenz zeigt. Sein Verdienst war es auch, den Kleinen Bund zu einem überregional bedeutenden Forum für Kultur gemacht zu haben, in dem Schweizer Literatur ebenso wie internationale besprochen wurde, traditionelle Strömungen genauso Platz hatten wie Experimentelles.

Kurze Beschreibung des Archivs, die wichtigsten Dokumente

Der Nachlass von Hugo Marti enthält einige Manuskripte und Typoskripte seines literarischen Werks; darunter befinden sich unveröffentlichte Frühwerke und frühe Gedichte. Die zeitgenössischen Reaktionen auf sein Werk sind in einer umfangreichen Sammlung von gedruckten Rezensionen dokumentiert. Auch manche Exemplare von Erst- oder Teilabdrucken seiner kürzeren literarischen Werke in Zeitschriften und Zeitungen befinden sich im Nachlass. Sein journalistisches Werk ist in einer relativ vollständigen Sammlung (D-01) der Abdrucke seiner gut 2000 Artikel im Feuilleton des Bund und des Kleinen Bund präsent; Manuskripte und Typoskripte dieser Artikel existieren jedoch bis auf wenige Einzelfällen nicht mehr, hingegen ein von Hugo Marti handschriftlich hergestelltes Regis-ter zu seinem journalistischen Schaffen. Von zahlreichen Reden und Vorträgen sind mehr Arbeitsstadien erhalten geblieben: Im Nachlass befinden sich Notizen, Manuskripte, Typoskripte und Abdrucke. Erhalten geblieben ist die umfangreiche, vor allem geschäftliche Korrespondenz Hugo Martis, unter anderem mit Friedrich Glauser, Robert Walser, Maria Waser, Jean Rudolf von Salis und Cäsar von Arx, wobei sich geschäftliche und private Korrespondenz oft vermischen und deshalb im Nachlass nicht unterteilt sind. Hugo Marti hatte die Angewohnheit, den Durchschlag seiner eigenen Antworten (B-01) den Schreiben seiner Briefpartner an ihn selbst beizulegen oder den Antwortentwurf von Hand direkt auf die Briefe zu schreiben, weshalb auch eine Rubrik von Briefen Hugo Martis an andere (B-01) existiert. Die Korrespondenz einzelne seiner Werke betreffend oder zu bestimmten Themen sind in Konvolute (B-04) eingeordnet, die Hugo Marti teilweise schon selbst angelegt hatte. Korrespondenz rein privater Art ist – mit wenigen, aber umso bedeutenderen Ausnahmen – nicht erhalten geblieben. Zu diesen Ausnahmen zählt an erster Stelle der sehr umfangreiche Briefwechsel zwischen Hugo Marti und seiner Verlobten und späteren Frau, ausserdem der Briefwechsel mit seiner mütter-lichen Freundin Freda Hoffmann; die Briefe seiner zweiten, ebenfalls älteren Freundin Helle Rosenow und seine eigenen Briefe an seinen Jugendfreund Werner Juker. Abgesehen von Hugo Martis eigenen Briefkontakten sind im Archiv auch zahlreiche Briefkontakte Dritter an Dritte vorhanden, die vor allem nach seinem frühen Tod entstanden sind, namentlich die Korrespondenz seiner Frau, Elsa Marti, mit Verlegern. Im Nachlass befinden sich auch etliche schriftliche Dokumente aus Hugo Martis Jugend wie Zeugnisse, Testathefte u. ä., ausserdem relativ vollständig die Verlagsverträge. Unter der Rubrik Lebensdokumente (C) finden sich auch rund dreissig Reproduktionen von Fotos des Autors und in der Abteilung Sammlungen (D) in gedruckter Form postume Würdigungen.


Administrative Informationen

Abkürzungen

EM Marti, Elsa (geborene Lexow-Breck)
HM Marti, Hugo
RM Marti, Rolf (Sohn v. HM u. EM)
s/w schwarz-weiss Fotografie
s/w neg. schwarz-weiss Negativ
col. Farbfotografie
col. Neg. Farbnegativ
besch. Foto beschnitten
aufgez. Foto auf Karton aufgezogen
Scotch Scotch oder andere Selbstklebebänder
mech. Mechanische Schäden, Risse, Fehlstellen u.s.w.
urspr. ursprünglich


Zugang

Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.


Bevorzugte Zitierweise:

Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Hugo Marti.

Erwerbung und Erschliessung

Den Nachlass Hugo Marti erhielt das SLA 2005 von Rolf Marti, Hugo Martis Sohn, als Geschenk. Rolf Marti hatte den Nachlass seines Vaters bereits vorsortiert und sein Privatarchiv verschiedenen Personen zu Forschungszwecken zugänglich gemacht.

A Werke
A-01 Prosa
A-01-a Das Kirchlein zu den sieben Wundern
A-01-b Das Haus am Haff
A-01-c Balder
A-01-d Ein Jahresring
A-01-e Rumänisches Intermezzo
A-01-f Rumänische Mädchen
A-01-g Notizblätter von Bepp
A-01-h Ein Jahrmarkt im Städtlein
A-01-i Davoser Stundenbuch
A-01-j Rudolf von Tavel. Leben und Werk
A-01-k Eine Kindheit
A-02 Frühe Prosa
A-02-a Grasburg / Walter Amsteg / Der Narr vom Glück / Der hohe Tag / u. a. gedruckte Texte
A-03 Dramatik
A-03-a Die Herberge am Fluss / Lache Prinzessin!
A-04 Lyrik
A-04-a Der Kelch
A-04-b Gedichte
A-05 Reden, Artikel, Vorträge, Aufsätze
A-05-a Artikel im Bund
A-05-b Artikel und Aufsätze (nicht Bund)
A-05-c Vorträge und Reden
A-05-d Dialog Hans Bloesch und Hugo Marti über J. V. Widmann. Zum 20. Todestag
A-06 Übersetzungen
A-06-a Phormio. Ein Lustspiel des Publius Terentius Afer
A-06-b Lucian Blaga: Meister Manole. Drama in fünf Akten
B Briefe
B-01 Briefe von Hugo Marti
B-02 Briefe an Hugo Marti
B-03 Briefe Dritter
B-04 Thematische Konvolute
B-04-a Korrespondenz zu den Werken
B-04-a-1 Korrespondenz zur Dissertation
B-04-a-2 Korrespondenz zu A-01-a Das Kirchlein zu den sieben Wundern
B-04-a-3 Korrespondenz zu A-01-b Das Haus am Haff
B-04-a-4 Korrespondenz zu A-01-c Balder
B-04-a-5 Korrespondenz zu A-01-d Ein Jahresring
B-04-a-6 Korrespondenz zu A-01-e Rumänisches Intermezzo
B-04-a-7 Korrespondenz zu A-01-f Rumänische Mädchen
B-04-a-8 Korrespondenz zu A-01-g Notizblätter von Bepp
B-04-a-9 Korrespondenz zu A-01-i Davoser Stundenbuch
B-04-a-10 Korrespondenz zu A-01-j Rudolf von Tavel. Leben und Werk
B-04-a-11 Korrespondenz zu A-01-k Eine Kindheit
B-04-a-12 Korrespondenz zu A-03-a Die Herberge am Fluss / Lache Prinzessin!
B-04-a-13 Korrespondenz zu A-04-a Der Kelch
B-04-a-14 Korrespondenz zu A-01-j Rudolf von Tavel. Leben und Werk
B-04-b Korrespondenz als Bund-Redaktor
B-04-b-1 Korrespondenz zu: Hamsun – Hiltbrunner – Grethlein & Co
B-04-b-2 Korrespondenz zu: Schweizerischer Schillerpreis für Walther Siegfried
B-04-b-3 Korrespondenz: Berner Theaterkritiker vs. Reinhard, ? (Stadtrat, Verwaltungsrat des Berner Stadttheaters)
B-04-b-4 Korrespondenz über Unterstützung für Bernhard Moser: Hohe Fahrt
B-04-b-5 Korrespondenz zu Affäre Eugen Diederichs – Jonas Fränkel
B-04-b-6 Affäre Grésuisa, Korrespondenz mit Hans u. Ines Weyermann
B-04-b-7 Korrespondenz zu fremdenpolizeilicher Angelegenheit um Herbert Helwig (Stiefsohn v. Jakob Schaffner)
B-04-b-8 Korrespondenz zum PEN-Club (Präsident: Hugo Marti)
B-04-b-9 Briefe vom Lehrerinnen-Seminar in Aarau (Deutschlehrer: Dr. Carl Günther)
B-04-b-10 PEN-Kongress Dubrovnik 1933
B-04-b-11 Vorschlag einer Schweizerischen Akademie v. Robert Faesi
B-04-b-12 Humor des Gewerbes
B-04-b-13 Zusendung von Stilblüten-Funden
B-04-c Korrespondenz nach Hugo Martis Tod
B-04-c-1 Korrespondenz von u. mit Carl Günther und anderen, v. a. zu Günthers Biographie von Hugo Marti
B-04-c-2 Korrespondenz im Gedenken an Hugo Marti, 20. Todestag u. 70. Geburtstag
B-04-c-3 Korrespondenz zu Beitrag in der Davoser Revue anlässlich der Neuveröffentlichung des Davoser Stundenbuchs
B-04-c-4 Korrespondenz zu Wanner, Kurt: Der Himmel schon südlich, die Luft aber frisch – Schriftsteller, Maler, Musiker und ihre Zeit in Graubünden 1800-1950
C Lebensdokumente
C-01 Persönliche Dokumente, v. a. aus Kindheit und Jugend
C-02 Dokumente zur schriftstellerischen Tätigkeit
C-03 Dokumente aus beruflicher Tätigkeit beim Bund
C-04 Sonstige Dokumente
C-05 Fotografien
C-05-ON Originalnegative
C-05-OP Originalfotografien
C-05-RP Reproduktionen
D Sammlungen
D-01 Gedruckte Artikel von Hugo Marti im Bund
D-02 Gedruckte Beiträge von Hugo Marti zu Lebzeiten (nicht Bund)
D-03 Curiosa
D-04 Rezensionen und Würdigungen zu Lebzeiten
D-05 Hans Kayser: Blätter für Harmonikale Forschung
D-06 Nachrufe, Würdigungen und Besprechungen postum
D-07 Zeitungsartikel Dritter über Dritte