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Biographische Angaben
Die Schweizerische Schillerstiftung wurde 1905 auf Initiative des Lesezirkels Hottingen und mit Unterstützung des Bundes gegründet.
Hans Bodmer, Präsident des Lesezirkels, war 1904 von der Deutschen Schillerstiftung angefragt worden, ob zum 100. Todestag
Friedrich Schillers im Jahr 1905 in der Schweiz eine Zweigniederlassung der bereits 1855 gegründeten Deutschen Schillerstiftung
eingerichtet werden könne. Vor allem wegen der Mehrsprachigkeit der Eidgenossenschaft wurde schliesslich entschieden, in der
Schweiz eine eigene Schillerstiftung zu gründen. Nach Festlegung der Statuten am 11. Dezember 1905 wählte der Bundesrat den
Aufsichtsrat der Stiftung und zahlte ihr einen einmaligen Beitrag von 50'000 Franken aus. Dieser Beitrag sowie die zahlreichen
Spenden von privaten Geldgebern, Kantonen und Gemeinden von über 100'000 Franken ermöglichten es der Stiftung, ihre Tätigkeit
aufzunehmen. Juristisch vollständig gegründet war die Schweizerische Schillerstiftung schliesslich am 8. Januar 1909, als
der Bund die Statuten genehmigte.
Hauptzweck der Stiftung war gemäss den Statuten von 1909 die Unterstützung "verdienter schweizerischer Dichter und Schriftsteller
und ihrer Hinterlassenen, beides in Fällen schwerer Lebenssorge". Ehrungen literarischer Tätigkeiten waren folglich in den
Anfangsjahren an eine vorliegende Bedürftigkeit gebunden. Im Verlauf der Zeit wurden allerdings zunehmend auch literarisch
Tätige ohne Bedürftigkeit geehrt: Durch jährlich verliehene Literaturpreise zeichnete die Stiftung bedeutende Werke aller
vier Landessprachen aus. Der 'Grosse Schillerpreis', der zwischen 1920 und 2012 genau zwanzig Mal vergeben wurde, galt im
20. Jahrhundert als die wichtigste literarische Auszeichnung der Schweiz. Er wurde 2012 vom Eidgenössischen Literaturpreis
abgelöst. Aufgrund der vielseitig wachsenden Möglichkeiten der Unterstützung von Literarturschaffenden trat der fürsorgerische
Aspekt der Stiftung zunehmend in den Hintergrund. Dafür machte sich die Stiftung zusätzlich die Pflege des Erbes anerkannter
Autoren der Schweiz zu ihrer Aufgabe und übernahm die literarischen Nachlässe von Heinrich Leuthold, Jakob Bosshart und Joseph
Viktor Widmann. Sie unterstützte ausserdem die Herausgabe bedeutender Werkeditionen, wie beispielsweise der von Rudolf Hunziker
und Hans Bloesch herausgegebenen Jeremias-Gotthelf-Ausgabe und der historisch-kritischen Gottfried Keller-Ausgabe. Bei letzterer
wurde die Stiftung auch als Vermittlerin eingeschaltet bei den Streitigkeiten zwischen dem Eugen Rentsch-Verlag und dem ursprünglichen
Herausgeber Jonas Fränkel.
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Mappe mit Gründungsunterlagen und Statuten 1909, Signatur: SSS-02-a-01-a (Foto: Schweizerische Nationalbibliothek).
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Umfang und Inhalt der Dokumente
Das Archiv der Schweizerischen Schillerstiftung dokumentiert lückenlos die über hundertjährige Geschichte der Institution.
Von besonderem Interesse sind neben der internen Korrespondenz und den Sitzungsunterlagen des Stiftungsrates die Dossiers
der Autorinnen und Autoren, die mit der Stiftung im Kontakt standen. Die Dossiers ergeben zusammen ein who is who der viersprachigen
Schweizer Literatur des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.
Teil 1 (60 Archivschachteln): Die knapp tausend alphabetisch geordneten Dossiers zu den Autorinnen und Autoren, die als Unterstützte,
Gesuchstellende, Preisträgerinnen- und Preisträger mit der Stiftung in Kontakt standen, bilden das Kernstück des Bestandes.
Ebenfalls im ersten Teil abgelegt sind die Dossiers zu verschiedenen, mit der Stiftung in Kontakt stehenden Institutionen
sowie zu Editionsprojekten, bei denen die Schweizerische Schillerstiftung mitwirkte.
Wichtiger Hinweis: Bei der Suche nach Unterlagen zu einer bestimmten Autorin oder einem bestimmten Autor lohnt es sich, neben
dem entsprechenden Dossier aus dem ersten Teil des Archivs auch die Protokolle jener Sitzungen zu konsultieren, in denen über
die Unterstützungswürdigkeit der entsprechenden SchriftstellerInnen diskutiert wurde. Besonders in den frühen Jahrzehnten
ihres Bestehens führte die Stiftung ausführliche Gesprächsprotokolle, welche die Voten der einzelnen Stiftungsräte überliefern.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick in die Unterlagen zu den Jahresversammlungen (enthält z.T. Korrespondenz mit den AutorInnen)
und in die Sammlungen der Mitteilungen an die Mitglieder des Aufsichtsrates aus der entsprechenden Zeitperiode im zweiten
Teil des Archivs.
Teil 2 (51 Archivschachteln, 7 Schachteln Sonderformat): Die allgemeinen Geschäfts- und Verwaltungsunterlagen umfassen Unterlagen
zur Gründung der Stiftung im Jahr 1905, Jahresberichte, ausführliche interne Sitzungsprotokolle, Mitteilungen an die Mitglieder
des Aufsichtsrates, Unterlagen zur Organisation der Jahresversammlungen, Unterlagen zu Finanzangelegenheiten (Buchhaltung,
Jahresrechnungen, Subventionen etc.), Korrespondenz mit dem Eidgenössischen Departement des Innern, Mitgliederverzeichnisse
sowie Archivmaterialien zum Preis der Welti-Stiftung für das Drama, ein schweizerischer Literaturpreis für Theaterstücke,
der nach Friedrich Emil Welti (1857-1940) benannt ist und mit dessen Verleihung die Schweizerische Schillerstiftung betraut
war.
Wichtiger Hinweis: Eine Übersicht über alle Mitglieder des Aufsichtsrates der Schweizerischen Schillerstiftung zwischen 1905
und 2012 findet sich in folgender, anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums der Stiftung entstandenen Publiktion: Estelle Schiltknecht
und Ernst Nef (Hg.), Schweizerische Schillerstiftung 1905-2005. Zürich, o.V., 2005 (vgl. Exemplar im Archiv mit der Signatur
SSS-04-a-03-b-02 oder Exemplar in der Handbibliothek des SLA). Da mehrere Mitglieder des Aufsichtsrates auch literarisch tätig
waren, finden sich die Dossiers zu den einzelnen Mitgliedern des Aufsichtsrates im ersten Teil bei den Dossiers zu den Autorinnen
und Autoren. Hinweise zur Funktion innerhalb der Stiftung sind im Feld 'Allgemeine Bemerkungen' vermerkt.
Teil 3 (36 Archivschachteln, 3 Schachteln Sonderformat): Die Unterlagen zum operativen Geschäft der Schweizerischen Schillerstiftung
umfassen diverse Verzeichnisse der gesprochenen Unterstützungsbeiträge und Ehrungen sowie die Dokumentation der verschiedenen
Preisvergaben. Die Mehrheit der Unterlagen zu den vergebenen Preisen (insbesondere zum Grossen Schillerpreis) findet sich
allerdings in den Dossiers der ausgezeichneten AutorInnen im ersten Teil des Archivs.
Ebenfalls im dritten Teil des Archivs abgelegt sind Materialen zu den verschiedenen Bücherversänden der Stiftung sowie eine
22 Archivschachteln umfassende Bibliothek, die hauptsächlich Belegexemplare der als 'Buch der Schweizerischen Schillerstiftung'
an die Mitglieder der Stiftung versandten Bücher enthält. Weiter finden sich in diesem Teil des Archivs die Korrespondenz
zur Übernahme sowie die Kataloge der literarischen Nachlässe von Heinrich Leuthold, Jakob Bosshart (beide Zentralbibliothek
Zürich) und Joseph Viktor Widmann (Berner Burgerbibliothek, Dauerleihgaben Dichtermuseum Liestal). Ebenfalls enthalten sind
Unterlagen zu Mitgliederwerbungen und unterstützten Ausstellungsprojekten.
Teil 4 (3 Archivschachteln): Der letzte, vergleichsweise kleine Teil des Archivs enthält Unterlagen zur Geschichte der Schweizerischen
Schillerstiftung (insbesondere zu den Jubiläen in den Jahren 1955, 1995 und 2005) und zur Geschichte des Archivbestands (u.a.
Verzeichnisse der alten Archivstruktur).
Administrative Informationen
Zugang
Konsultation nur im Lesesaal des Schweizerischen Literaturarchivs. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen
Gründen.
Bevorzugte Zitierweise
Schweizerisches Literaturarchiv (SLA): Archiv Schweizerische Schillerstiftung
Erwerbung
Das Archiv der Schweizerischen Schillerstiftung wurde als Depositum im Stadtarchiv Zürich aufbewahrt. Im Dezember 2018 wurden
die Bestände des Archivs als Schenkung ins Schweizerische Literaturarchiv nach Bern überführt.
Hinweise zur Erschliessung
Dieses Online-Inventar wurde aus HelveticArchives generiert. Es unterscheidet sich in seinem Erscheinungsbild von "normalen"
Online-Inventaren hauptsächlich durch die beiden folgenden Merkmale: das Datum wird mit Punkt (statt Trennstrich) angezeigt,
es gibt - strukturell bedingt - mehr „Darin“-Auflistungen im Bemerkungsfeld. In ihrem Inhalt sind die beiden Inventarformen
jedoch identisch.
Das Archiv ist mit der grosszügigen Unterstützung der Christoph Geiser Stiftung erschlossen worden.