Hanna Johansen

Inventar des Archivs im Schweizerischen Literaturarchiv



Inventar erstellt von Michael Fischer, Johann Nikolaus Kampermann, Rudolf Probst,








Schweizerisches Literaturarchiv

Hallwylstrasse 15
CH-3003 Bern


E-Mailadresse: arch.lit@nb.admin.ch



Findmittel codiert von Kristel Roder, Juni 2018


Übersicht

Autor/Urheber : Johansen, Hanna (1939 - )
Titel : Inventar ihres Archivs im Schweizerischen Literaturarchiv
Eckdaten der Dokumente : [1965/2008]
Zusammenfassung : Entwürfe, Manuskripte, Typoskripte, Korrespondenz, Lebensdokumente, Belegexemplare und Sammlungen
Umfang : 89 Archivschachteln und 1 Sonderformatschachtel
Signatur : SLA-HaJo

Portrait von Hanna Johansen von Peter Friedli

Biographische Notiz

Hanna Johansen ist 1939 in Bremen geboren. Sie hat in Marburg und Göttingen Germanistik, Altphilologie und Pädagogik studiert. Sie war von 1967 bis 90 verheiratet. Die Jahre 1967-69 verbrachte sie in Ithaca und New York. 1970 hat sie zunächst in Genf, dann im Kanton Zürich gewohnt, hier sind ihre beiden Söhne geboren. Seit 1972 lebt Hanna Johansen in Kilchberg bei Zürich. Hanna Johansen publiziert seit über dreissig Jahren kontinuierlich Romane, Erzählungen und Kinderbücher. Als erster Roman erschien 1978 Die stehende Uhr im Carl Hanser Verlag. In Hanna Johansens Romanen erzählen meist weibliche Kunstfiguren aus subjektiver Perspektive, aber mit objektivierendem Blick und phänomenologischer Präzision für ihre Aussenwelt ihre Alltags- und Familiengeschichten. Die Erzählerinnen sind dezente Beobachterinnen der radikalen Verwandlung ihrer selbst in ihrer Gegenwart (Die stehende Uhr, 1978) oder ihrer Vergangenheit (Die Analphabetin, 1985). Ihre Protagonistinnen entwickeln zunehmend Reflexion, Scharfsinn und stilistische Brillanz (Die Kurnovelle, 1994). Jedes der Werke ist durch eine eigenständige Erzählsituation und jede Figur ist durch eine unverkennbare Sprechweise charakterisiert. Die reiche Vielfalt der erzählenden Stimmen erweitert sich in den Erzählungen auch auf männliche Protagonisten (Über den Wunsch sich wohlzufühlen, 1985, und Die Schöne am unteren Bildrand, 1990). Mit sublimer Ironie und dezentem Humor hat Hanna Jo-hansen in der Universalgeschichte der Monogamie (1997) ihre literarische Grossform erreicht. Im Roman Lena (2002) verteidigt und entflicht die Protagonistin ein Familienverhängnis aus Lebenslügen. Im Roman Der schwarze Schirm (2007) verwickelt sich die Ich-Erzählerin aufgrund einer Zufallsbekanntschaft in eine andere Lebenserzählung. Weitere Erzählstoffe liegen im Kokonstadium in Hanna Johansens Archiv bereit. Infolge ihres Amerikaaufenthalts hat Hanna Johansen seit 1969 amerikanische Autoren und Autorinnen ins Deutsche übersetzt, darunter Donald Barthelme, Walker Percy, Grace Paley und Patricia MacLachlan. Seit 1983 hat sie 17 Kinderbücher publiziert und teilweise illustriert. Darunter Felis, Felis (1987), Der Füsch (1995) und Omps! – Ein Dinosaurier zu viel (2002) und zuletzt Ich bin hier bloβ die Katze (2007). Die Werke Hanna Johansens sind in fast 20 Sprachen übersetzt. Die wichtigsten Preise sind der Marie Luise Kaschnitz Preis 1986, der Conrad Ferdinand Meyer Preis 1987, der Schweizer Jugendbuchpreis 1990, der Preis der Schweizerischen Schillerstiftung 1991, der Phantastikpreis der Stadt Wetzlar 1993, der Solothurner Literaturpreis 2003 und der Kunstpreis der Stadt Zürich 2008.

Umfang und Inhalt der Dokumente

Das Archiv von Hanna Johansen umfasst Dokumente (Entwürfe, Manuskripte und Typoskripte) zur Kinder- und Erwachsenenliteratur, Lyrik, Dramatik, Hörspiel, Essayistik, Übersetzungen, eine umfangreiche Korrespondenz mit Literaten und Künstlern, Leserinnen und Lesern, Zeitschriften und Verlagen, sowie Lebensdokumente wie Schulhefte, Urkunden, Fotos und Unterlagen zu Lesereisen und Auslandaufenthalten. Das dokumentarische Material umfasst Sammlungen von Rezensionen, literarische Porträts und Interviews zu Leben und Werk der Autorin, sowie die Belegexemplare der Kinder- und Jugendliteratur.


Administrative Informationen

Organisation der Dokumente

Der Nachlass besteht aus den folgenden 5 Teilen

- Werke
- Briefe
- Lebensdokumente
- Sammlungen
- Erweiterter Nachlass

Zur Arbeitsweise der Autorin

Durch den Erschließungsprozess des Archivs Hanna Johansens und im Gespräch mit der Autorin sind Einsichten in ihre Arbeitsweise als Schriftstellerin gewonnen worden. So sind Erkenntnisse über den Schreibprozess und die Textgenese möglich und können die Identifikation von Textzeugen und -fragmenten gewährleisten. Durch ihre Vermittlung kann darüber hinaus eine angemessene Benutzung der Dokumente des Archivs sichergestellt werden. In der Arbeitsweise Johansens lassen sich verschiedene Arbeitsschritte ausmachen. In einem ersten Arbeitsschritt verfasst die Schriftstellerin Exzerpte, Notizen, Mit- und Abschriften maschinell. Die einzelnen Texte auf einem Textträger differieren häufig thematisch, ihre Anordnung ist kontingent und damit für eine direkte Übernahme in der Textgenese ungeeignet. Daher werden die Textträger in einem weiteren Arbeitsschritt in sogenannte „Arbeitsstreifen“ zerschnitten und in „Mäppchen“ in eine andere Ordnung gebracht, welche die Schriftstellerin für ihren Schaffensprozess als hilfreich erachtet. Die Klarsichtfolien mit einseitiger Öffnung garantieren als neue Textträger für die Dauer des Schaffensprozesses eine Beständigkeit der präferierten Ordnung und ermöglichen das Ablegen der Arbeitsstreifen, ohne die Ordnung zu zerstören. Um die Anordnung der Arbeitsstreifen noch beständiger und zudem platzsparend zu erhalten, können in einem weiteren Schritt die in den Klarsichtfolien angeordneten Arbeitsstreifen fotokopiert werden. Auch nach der Sortierung bleibt die Ordnung variabel. Markierungen können vorgenommen werden. So wählt Johansen Markierungszeichen – so z.B. das Kürzel „(x)“ zum Anzeigen unbedingter Verwendung oder das Kürzel „wa“ zur Anzeige einer Wiederaufnahme – oder aber im Schreibprozess zur Universalgeschichte der Monogamie ein Farbprinzip, um besser über die Texte verfügen zu können. Die auf diese Weise erzeugte Ordnung stellt keine direkte Vorlage für die Textfassung dar, sondern dient eher als Impuls- und Ideengeber für die Kohärenz der ersten Textfassung. Diese Technik wendet Johansen im Besonderen für ihr Essayistisches Werk an, um hier eine analytische Gedankenführung zu entwickeln. Mit der Umstellung der Arbeitsmittel von der Schreibmaschine auf den PC im Jahre 1989 – während der Textgenese der Erzählungssammlung Die Schöne am unteren Bildrand – wird die Herstellung von Arbeitsstreifen nicht überflüssig. Verschiebungen von Kleintexten unterschiedlicher Textträger werden weiterhin physisch vorgenommen. Daher lassen sich auch im Spätwerk Johansens noch Arbeitsstreifen in Folien finden – so beispielsweise verstärkt zum Text Der schwarze Schirm. Im Archivbild begegnen neben den in Klarsichtfolien sortierten Arbeitsstreifen auch Sammlungen solcher, die wahllos zusammengeworfen erscheinen. Diese zeigen ein Stadium vor oder nach der Ordnung in Klarsichtfolien. Vor der Sortierung dann, wenn sie zwar thematisch geordnet sind, aber noch keiner weiteren Differenzierung unterliegen. Nach der Sortierung dann, wenn sie bereits in den Schaffensprozess eingeflossen sind oder als unbedeutend qualifiziert wurden. Die gesammelten Arbeitsstreifen zeichnen sich durch eine grobe thematische, weniger durch eine detailliert kohärente Ordnung aus. Sie sind Kennzeichen einer variablen Ordnung, die in der Konservierung nicht unmittelbar beizubehalten ist. Wohl aber gilt es, das Prinzip der variablen Ordnung zu erhalten und den Benutzenden zu verdeutlichen: Die Konservierung muss die Vollständigkeit des thematischen Komplexes sicherstellen. Die dargestellte Arbeitsweise Johansens aus Textcollage und -konservierung dokumentiert in besonderer Weise die Konstruktion von Textkohärenz und stellt eine bisher einzigartige Vorgehensweise dar, in der die intertextuelle Substanz von Texten materiell sichtbar wird. Die Arbeitsweise kennzeichnet sich durch eine hohe Variabilität, die nicht nur für den Schreibprozess, sondern für das gesamte Archiv sinnbildlich ist: Textgenese als Auswahl von Möglichkeiten spiegelt sich in den zahlreichen Fassungen der Texte des Archivs Hanna Johansen wider.


Zugang

Konsultation nur im Lesesaal SLA. Einschränkungen vor allem aus urheber- und persönlichkeitsrechtlichen Gründen.

Bevorzugte Zitierweise:

Schweizerisches Literaturarchiv (SLA). Nachlass Hanna Johansen.

Hinweise zur Erschliessung

Das Archiv von Hanna Johansen ist in verschiedenen Etappen von Johann Nikolaus Kampermann und Michael Fischer erschlossen worden.

Zuwachs

Inhaltsverzeichnis

A Werke
A-0 Frühwerk
A-0-a Erzählerisches Frühwerk für Erwachsene und Kinder
A-0-a-1 Frau N.
A-0-a-2 Der Beobachter
A-0-a-3 Butzemann
A-0-a-4 Kurzentwürfe
A-0-b Lyrisches Frühwerk
A-1 Erzählerische Prosa für Erwachsene
A-1-a Romane
A-1-a-1 Die stehende Uhr
A-1-a-2 Trocadero
A-1-a-3 Die Analphabetin
A-1-a-4 Zurück nach Oraibi
A-1-a-5 Ein Mann vor der Tür
A-1-a-6 Kurnovelle
A-1-a-7 Universalgeschichte der Monogamie
A-1-a-8 Lena
A-1-a-9 Der schwarze Schirm
A-1-b Erählungen und Erzählungssammlungen
A-1-b-1 Kurzprosa
A-1-b-2 Über den Wunsch, sich wohlzufühlen. Erzählungen
A-1-b-3 Die Schöne am unteren Bildrand. Erzählungen
A-1-b-4 Über den Himmel, Märchen und Klagen
A-1-b-5 Halbe Tage, ganze Jahre. Erzählungen
A-2 Erzählerische Prosa für Kinder
A-2-a Bruder Bär und Schwester Bär
A-2-b Siebenschläfergeschichten
A-2-c Felis, Felis
A-2-d Die Ente und die Eule
A-2-e Die Geschichte von der kleinen Gans, die nicht schnell genug war
A-2-f Dinosaurier gibt es nicht
A-2-g Ein Maulwurf kommt immer allein
A-2-h Die Hexe zieht den Schlafsack enger
A-2-i Bist du schon wach?
A-2-j Vom Hühnchen, das goldene Eier legen wollte
A-2-k Maus, die Maus, die liest und liest und Maus, die Maus, liest ein langes Buch
A-2-l Sei doch mal still
A-2-m Omps! – Ein Dinosaurier zu viel
A-2-n Die Hühneroper
A-2-o Ich bin hier bloß die Katze
A-2-p Diverse Manuskripte
A-3 Lyrik
A-3-a Lyrisches für Erwachsene
A-3-a-1 Gedichtentwürfe
A-3-a-2 Gedichtfragmente
A-3-a-3 Gedichtvorstufen
A-3-a-3 Gedichtvorstufen
A-3-a-4 Erste Phase 1978 bis frühe achtziger Jahre
A-3-a-5 Zweite Phase frühe achtziger Jahre bis spätestens 1989
A-3-a-6 Dritte Phase nach 1989
A-3-a-7 Gereimtes
A-3-a-8 Kettengedicht
A-3-a-9 Gedichte mit Baum-Thematik
A-3-b Lyrik für Kinder
A-4 Dramatik
A-4-a Venedig im Winter. Komödie in fünf Akten
A-4-b Tragödien. Ballett für Schauspieler
A-5 Hörspiele
A-5-a Auf dem Lande
A-5-b Der Zigarrettenanzünder
A-6 Autobiographische Texte
A-6-a Kurze autobiographische Texte
A-6-b Notizbücher mit stark literarischem Charakter
A-7 Übersetzungen durch Hanna Johansen
A-7-a Aus dem Englischen
A-8 Bildnerisches von Hanna Johansen
A-9 Essayistik
A-9-a Schreiben und Literatur
A-9-b Zu einzelnen Themen
B Briefe
B-1 Briefe von Hanna Johansen
B-2 Briefe an Hanna Johansen
B-4 Thematische Konvolute
B-4-1 Korrespondenz mit Leser/Innen, Studierenden und Journalisten
B-4-2 Korrespondenz mit Zeitschriften
B-4-3 Korrespondenz mit Verlagen
B-4-4 Korrespondenz mit Sendern
B-4-4 Korrespondenz zu Lesungen
C Lebensdokumente
C-1 Persönliche Dokumente
C-1-a Schulzeit
C-1-b Universität
C-1-c Vortragsreisen
C-1-d Fotos
C-2 Dokumente aus beruflicher Tätigkeit
C-2-a Preise
C-2-b Finanzielle Unterlagen zu Adolf Muschg
C-2-c Diverses
D Sammlungen
D-1 Belegexemplare der Erwachsenenprosa
D-1-a Deutschsprachige Ausgaben
D-1-b Zeitschriften
D-1-c Anthologien
D-1-d Übersetzungen
D-2 Belegexemplare der Kinderprosa
D-2-a Deutschsprachige Ausgaben
D-2-b Anthologien und Zeitschriften
D-2-c Übersetzungen
D-3 Belegexemplare der Essayistik
D-4 Rezensionen
D-5 Porträts
D-6 Audiovisuelle Dokumente
D-6-a Audiodokumente
D-6-b Filmdokumente